Auszug aus dem Exposé zu meinem Buch:
"Worte wie Edelsteine" Die Mohnblüte
Es war Montag, der 29.Mai 2006 - genau eine Woche vor dem Pfingstmontag und vier Tage nach Christi Himmelfahrt. Der Umzugsstress steckte mir noch im ganzen Körper. Zum Auftanken wanderte ich mit einem Freund in meiner neuen, alten Heimat. Zwischen herrlich blühenden Wiesen ging es einen kleinen Berg hinan ...
Der Weg begann steiler zu werden. Plötzlich bemerkte ich, dass etwas vor sich ging. Irgendetwas war da. Ich wurde aufmerksam und schaute mich um. Auf einmal sah ich einen Engel vor mir. Er stand mitten auf dem Weg. Liebevoll grüßte er und sprach: "Du wirst heute noch eine besondere Begegnung erfahren." Seltsam war das. Seit Kindheitstagen begleiteten mich die Engel. Sie kamen einfach so und waren einfach da. Niemals zuvor, war mir ein Engel angekündigt worden. Ich staunte. DIESE Begegnung mit IHM war doch schon etwas ganz Besonderes. Was für eine Begegnung mochte das wohl sein? Ich war sehr aufgeregt und fragte ihn, WEM ich begegnen würde. Er antwortete mir: "Du wirst heute dem Engel begegnen, der schon in deiner Kindheit bei dir war. Der dir 'Vertrauteste' sozusagen."
Bilder liefen plötzlich vor meinem geistigen Auge ab, als ich als kleines Mädchen mit drei Jahren in meinem Bettchen saß. Seitdem wusste ich: Engel und das Göttliche begegnen den Menschen in unterschiedlichen Erscheinungsformen.
Zwei Stunden später ... Ich war innerlich ruhig geworden. Mit Bedacht und innerer Stärke sah ich an, was mir vom Göttlichen gezeigt worden war. Ich bedankte mich. Eine Gewissheit war in mir, die keiner Worte bedurfte. Voll innerer Ergriffenheit pflückte ich einen kleinen Strauß von blauem Wiesensalbei, Kornblumen, weißer Lichtnelke und zartrosa Ehrenpreis. Eine leuchtendrote Mohnblume wuchs neben dem Feldweg. Ich zauderte, sie zu pflücken. Der Begrüßungs-Engel, der immer noch da war, ermunterte mich, diese EINE rote Mohnblume zu nehmen. Wie wunderschön gerade gewachsen ihr Stiel war und wie sie strahlte. Leider hielt sie im Strauß nur einen Tag – deshalb mein Zögern.
Ja, so geschah es auch. Schon am Abend hing ihr Stiel nach unten und das rote Köpfchen war zusammengefallen; abgeworfen hatte sie noch kein Blütenblatt ...
Fünf Tage später ...Es war Freitag, der 2. Juni 2006. Den ganzen Morgen hatte ich meine Begegnung mit dem Göttlichen in den Computer geschrieben. Mittags wollte ich endlich den Wiesenblumenstrauß neu richten und die verblühten Blumen entfernen – auch die zusammengefallene Mohnblüte.
Was ich nun sah, konnte ich nicht fassen. Die Mohnblume hatte den Stängel wieder aufgerichtet. Sie hatte ihren Kopf gehoben und war wieder aufgeblüht – nach fünf Tagen! An den Enden der Staubgefäße hatte sie grüne Kügelchen gebildet. Voller Staunen und Ergriffenenheit fotografierte ich die Blüte mit meinem Handy. Am Abend kam noch ein freundlicher Redakteur der Main-Post, um mit seiner Digital-Camera das Ereignis für mich festzuhalten. Zuvor hatte er mir versprochen, es nicht in der Zeitung zu veröffentlichen. Als er ging, fragte er mich spitzbübisch lächelnd: "Und, liebe Frau Ehrke, wieso sind Sie sich so sicher, dass ich es nicht doch veröffentliche?" Ich antwortete ihm: "Es glaubt ja doch keiner." Er stellte mir seine Fotos zur Verfügung – für die Menschen, die WISSEN, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als es unser Verstand erkennen kann. Denn dass diese Blume und diese Blüte eine starke innere Kraft haben, davon bin ich - davon sind wir überzeugt.
Nehmen wir uns ein Beispiel an dieser zarten Mohnblume, die noch bis zum nächsten Tag blühte. Auch WIR haben diese innere Kraft, uns wieder aufzurichten und den Kopf zu heben.